Abschied von einem Stück Hannover: Stadtmagazin magaScene wird eingestellt

magaSceneNach mehr als vier Jahrzehnten ist Schluss: Das hannoversche Stadtmagazin „magaScene“ wird aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt. Die letzte Ausgabe erscheint am 26. November 2026. Damit verschwindet nicht einfach nur eine weitere Zeitschrift aus den Kneipen und Cafés der Stadt. Hannover verliert ein Stück seiner Kulturgeschichte.

Wer früher in Hannover unterwegs war, kannte das kleine Heft. Es lag in Kneipen, Cafés, Kinos, Veranstaltungsorten und Geschäften aus – kostenlos, handlich und vollgepackt mit Veranstaltungstipps, Geschichten aus der Kulturszene und Neuigkeiten aus der Gastronomie.

Die Wurzeln reichen bis ins Jahr 1974 zurück. Damals gründete Reinhard Stroetmann, den viele nur als „Stroeti“ kannten, das kostenlose Kneipenmagazin „Spanner“. Im handlichen DIN-A5-Format berichtete es über die hannoversche und damit auch über die Lindener Kultur- und Kneipenszene und bot einen umfangreichen Veranstaltungskalender. Im Februar 1985 wurde daraus die „magaScene“.

Als die Kneipenszene noch auf Papier stattfand

In ihren besten Zeiten erreichte die magaScene eine monatliche Auflage von 40.000 Exemplaren. Wer in Hannover eine Kneipe eröffnete, kam damals kaum an dem Magazin vorbei. Eine Anzeige gehörte für viele Gastronomen praktisch zum guten Ton – und eigentlich fand sich jede Neueröffnung anschließend auch im redaktionellen Teil wieder.

Das Magazin war Veranstaltungskalender, Szenetreffpunkt und Stadtgespräch in einem. Besonders die Kleinanzeigenrubrik dürfte vielen älteren Lesern in Erinnerung geblieben sein. Hier wurde gesucht, angeboten, geflirtet und manchmal auch einfach nur eine originelle Botschaft hinterlassen. Lange bevor soziale Netzwerke diese Aufgaben übernahmen, war die magaScene ein Stück analoges Hannover.

Geprägt wurde das Magazin von seinem Gründer Reinhard Stroetmann, der die hannoversche Kulturszene wie kaum ein anderer kannte. Er starb am 6. Februar 2023 im Alter von 71 Jahren.

500 Ausgaben – und dann ist Schluss

Ende 2018 übernahm die Madsack Mediengruppe den Stroetmann Verlag. Doch das Geschäftsmodell eines kostenlosen, ausschließlich durch Anzeigen finanzierten Printmagazins geriet zunehmend unter Druck. Nach der Corona-Pandemie sank die Auflage auf 25.000 Exemplare. Zuletzt war die magaScene ein Zuschussgeschäft.

Im Editorial der am 27. Oktober erschienenen Novemberausgabe verkündet Jens Bielke nun das Ende. Ausgerechnet die 500. Ausgabe wird damit zum Auftakt des Abschieds. Die Dezemberausgabe, die am 26. November erscheint, soll die letzte sein.

„Oft weiß man Dinge erst dann zu schätzen, wenn sie weg sind“, hatte Bielke bereits im Oktober geschrieben. Nun wird deutlich, was er damit meinte. Über vier Jahrzehnte habe das Magazin auch jenen Künstlern, Veranstaltern und kleinen Kulturinitiativen eine Bühne geboten, die andernorts kaum Beachtung fanden. Bielke beschreibt die magaScene rückblickend als „Hannovers Stachel im Sitzfleisch aller Couch-Potatos“.

Ein Abschied, der vielleicht vermeidbar gewesen wäre

Dass gedruckte Stadtmagazine heute wirtschaftlich einen schweren Stand haben, ist keine Überraschung. Veranstaltungshinweise werden längst über Smartphones abgerufen, Kulturtermine über soziale Netzwerke verbreitet und Werbebudgets zunehmend ins Internet verlagert.

Dennoch bleibt die Frage, ob die magaScene den digitalen Wandel nicht zu lange unterschätzt hat. Zwar gab es das Magazin als E-Paper und zuletzt auch Auftritte in sozialen Netzwerken. Eine eigenständige, zeitgemäße digitale Plattform mit vergleichbarer Bedeutung für Hannovers Kulturszene konnte sich daraus jedoch nicht entwickeln. Das gedruckte Heft blieb das Herzstück – und wurde schließlich zu teuer.

Das Ende steht zudem nicht allein. Bereits 2020 wurde mit dem „Schädelspalter“ ein weiteres traditionsreiches hannoversches Stadtmagazin eingestellt. Jetzt verschwindet auch die magaScene. Als verbliebenes gedrucktes Stadtmagazin bleibt das „Stadtkind“.

Was bleibt, sind Erinnerungen

Mit der magaScene geht mehr verloren als ein kostenloses Heft mit Veranstaltungsterminen. Es verschwindet ein Medium, das Generationen von Hannoveranern durch das Kultur- und Nachtleben begleitet hat. Eines, das kleinen Bühnen, unbekannten Bands und neuen Kneipen Aufmerksamkeit schenkte, lange bevor ein Algorithmus darüber entschied, was sichtbar wird. Vielleicht ist es tatsächlich so, wie Jens Bielke schreibt: Man weiß manche Dinge erst dann zu schätzen, wenn sie nicht mehr da sind. Ab Dezember wird in den Auslagen der hannoverschen Kneipen jedenfalls ein vertrautes kleines Heft fehlen. Und mit ihm ein Stück des alten Hannover.

Bildnachweis: Ralf Borchardt

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