Bike-Sharing in Hannover: Anbieter Mobike im Test durchgefallen

Mobike
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Bike-Sharing statt Car-Sharing – In Großstädten wie auch in Hannover lassen sich Kurzstrecken, z.B. von der Straßenbahnhaltestelle bis zur eigenen Wohnung, schnell und umweltschonend mit einem Leihfahrrad zurücklegen. Seit September 2018 ist der Chinesische Anbieter Mobike mit seinen orangeroten Leihrädern auch in Hannover vertreten. Stiftung Warentest hat deutschlandweit die sechs großen Leih-Anbieter in der Ausgabe test 5/2019 genau unter die Lupe genommen. Dabei fiel Mobike mit Pauken und Trompeten durch und landete mit der Qualitätswertung „Mangelhaft“ (5,1) auf dem vorletzten Platz. Sicherheit und Datenschutz ließen schwer zu wünschen übrig.

Bike-Sharing ist ein attraktives Angebot für Einwohner und Touristen

Neben Einheimischen, die kein eigenes Fahrrad besitzen und diesen Service öfter nutzen möchten, profitieren davon auch Besucher und Touristen, die sich flexibel und kostengünstig zu Stadtzielen begeben wollen. Um Wartung, Sicherheit und das Anschließen muss man sich keine Gedanken machen. Geeignet ist der Fahrradverleih per App prinzipiell für jeden. Genutzt wird er vorwiegend in der Altersgruppe der 18 bis 40-Jährigen.

Mobike – Die Schwachstellen laut Stiftung Warentest

Wer ein Mobike-Rad mieten will, registriert sich auf der Anbieterseite und kann dann per App ein Fahrrad in seiner Nähe orten. Das funktionierte im Test gut, allerdings könnte die Nutzerfreundlichkeit der App deutlich besser sein, zum Teil sind Inhalte der iOS-App nur in chinesischer Sprache vorhanden.

Die stationslosen Räder können bis auf einige Ausnahmen überall im gekennzeichneten Stadtbereich abgestellt werden. Sie sind elektronisch gesichert und werden via App und QR-Code ent- und abgesperrt. Auch in diesem Punkt schnitt Mobike im Test gut ab. Der optische Radzustand zeigte sich befriedigend, während Fahreigenschaften und Komfort nicht überzeugen konnten und mit ausreichend bewertet wurden. Das lag hauptsächlich an der fehlenden Gangschaltung und den unflexiblen Vollgummireifen, die sich unterschiedlichen Straßenverhältnissen nicht anpassen können. Die Sicherheit war jedoch das größte Problem. Hier fielen die Mobike Fahrräder wegen der viel zu schwachen Bremsen durch.

Datenschutzerklärung von Mobike inakzeptabel

Kopfschmerzen bereitete den Testern auch das Datensendeverhalten der App. Im Test wurde festgestellt, dass nicht nur notwendige funktionale Daten wie Standort und Zeitstempel, sondern auch sensible Daten, z.B. Geräte-ID des Handys und Telefonnummer des Kunden, unverschlüsselt übermittelt werden. Stiftung Warentest bezeichnet die Datenschutzerklärung des Anbieters als „inakzeptabel“, und sieht deutliche Defizite im Kleingedruckten.

Lieber ein gebrauchtes Fahrrad statt Bike-Sharing?

Angesichts des schlechten Testergebnisses von Mobike kann man sich durchaus die Frage stellen, ob die Anschaffung eines gebrauchten Rades eher Sinn macht. Kosten und Nutzen müssen abgewogen werden. Der Mietpreis von Mobike liegt bei etwa 1,00 Euro für 20 Minuten (saisonal variabel). Hinzu kommt eine einmalige Kaution, über deren Höhe Mobike auf der Internetseite jedoch keine Angaben macht. Wer im Schnitt 40 Minuten unterwegs ist zahlt rund 2 Euro Leihgebühr. Wird das Leihrad beispielsweise täglich (Mo-So) je 40 Minuten genutzt, fallen 14 Euro pro Woche an.

Mobike bietet zudem Fahrradpässe für 30, 90 oder 360 Tage an, die für Vielnutzer geeignet sein sollen, allerdings ist das eine Mogelpackung. Ab ca. 5 Euro kostet ein solcher Pass, wobei jedoch nur die ersten 30 Minuten am Stück pro Ausleihe in der Passgebühr enthalten sind, danach wird der reguläre Fahrpreis zusätzlich berechnet.

Hier ist ein gebrauchtes Fahrrad für Vielfahrer in einfacher Ausstattung klar die kostengünstigere Wahl. Für alle, die ein Rad nur sporadisch benötigen bzw. nutzen wollen, bleibt der Fahrradverleih eine Alternative. In Bezug auf den Anbieter Mobike sollte das Mietrat dennoch vor Fahrtantritt in Augenschein genommen und auf relevante Sicherheitsmerkmale wie Bremsen, Licht und Reifen überprüft werden.

Bildnachweis: Stefan Ebers