Am Freitag, 25. September 2026, steht der Busverkehr bei regiobus für einen Tag weitgehend still. Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten aller Regiobus-Betriebshöfe zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Für Fahrgäste in Hannover und der Region bedeutet das erhebliche Einschränkungen: Die regiobus-Linien fahren am Freitag von Betriebsbeginn bis Betriebsende nicht. Betroffen sind damit sämtliche Busverbindungen, die von regiobus betrieben werden.
Der Warnstreik beginnt jeweils mit dem Betriebsbeginn und dauert bis zum Ende des regulären Betriebs. Grund für den Streikaufruf ist der aktuelle Tarifkonflikt. Fahrgäste sollten sich für Freitag auf Ausfälle einstellen und gegebenenfalls alternative Verbindungen nutzen. Auch im weiteren Nahverkehr kann es durch die Streikbeteiligung zu Einschränkungen kommen.
Solidarisch sind auch die Beschäftigten des Üstra-Betriebshofs Vahrenwald von 3:39 Uhr bis Betriebsende zum Warnstreik aufgerufen. Die Linien 122, 133 und 470 werden vollständig bestreikt. Darüber hinaus kann es durch die Streikbeteiligung zu Verzögerungen und Ausfällen auf den Linien 100/200, 120, 121, 125, 126/136, 127, 128, 134, 135, 137, 581 und 800 kommen.
Mir tut jeder Pendler leid, der sich dann wieder um Alternativen bemühen muss. Viele sind schon durch die Ausfälle, Verspätungen und Umleitungen bei den Zügen genervt, wenn dann auch noch die Anschlüsse mit den Bussen und Bahnen betroffen sind, muss man sich nicht wundern, dass manch einer (wieder) auf das Auto umsteigt.
Ein Streik ist ja ok, aber muss es immer gleich ein ganzer Tag sein?
Die Fahrgäste hätten sicher mehr Verständnis, wenn sich der Streik nur auf ein paar Stunden begrenzen würde, aber so sind alle nur gefrustet.
„… aber muss es immer gleich ein ganzer Tag sein?“
‚Immer gleich‘ ein paar Stunden waren es schon am Dienstag der vergangenen Woche, zwei ganze Tage könnten es in einer dritten Stufe sein.
Über den Inhalt des Tarifkonfliktes erfahren wir im Artikel leider absolut nichts.
Welcher Tarifvertrag läuft aus? Geht es ums Geld, um Arbeitszeit oder um die betriebliche Altersvorsorge?
Wie lautet die Forderung der Gewerkschaft, wie das Angebot der Arbeitgeber?
Inhalte spielen anscheinend in einer phänomenologischen Betrachtungsweise von Politik heutzutage keine Rolle mehr. Streik und Streitigkeiten sind als Störung des Betriebsablaufs durchaus berichtenswert, ein fehlendes Tempo sogenannter „Reformen“ wird bemängelt …
Wer da was mit wem auf wessen Kosten und zu wessen Gunsten verhandelt, ist in einer entpolitisierten Öffentlichkeit aber kaum noch von Belang.
Wie viele Arbeitnehmer bekommen weder eine Lohnerhöhung, bessere Arbeitsbedingungen/Arbeitszeiten noch eine gute betriebliche Altersvorsorge? Für die sind die Forderungen der Gewerkschaft völlig übertrieben! Ich habe vollstes Verständnis für Lohnsteigerungen bei denen, die nur den Mindestlohn oder 300 – 400 € mehr/Monat verdienen und wegen der gestiegenen Kosten an ihre finanziellen Grenzen kommen oder bessere Arbeitsbedingungen im Schichtbetrieb, nur die Art der Durchsetzung sollte überdacht werden.
Das Geld für höhere Lohnkosten, Arbeitserleichterungen oder zusätzliches Personal wegen der Arbeitszeitanpassungen muss aber auch erwirtschaftet werden und wenn ein Teil durch Steuerzuschüsse ausgeglichen werden muss, dann ist der Spielraum leider sehr begrenzt. Gegenüber den weniger „privilegierten“ Arbeitnehmern sind die drohenden Zusatzkosten ( Anhebung von Steuern oder im obigen Fall höhere Fahrkartenpreise) um die Forderungen der Gewerkschaften umzusetzen auch nicht gerecht.
Für mich ist eine angenommene Tariferhöhung von 5 % ein Fehler im System, mir schleierhaft, warum das Gewerkschaften fordern. Wäre es nicht fair, wenn nicht alle stattdessen 100 € mehr bekommen würden? Mit der prozentualen Erhöhung bekommt der Vielverdiener immer deutlich mehr und der andere wird klein gehalten. Das soll fair sein?
Sollte es nicht der eigentliche Zweck einer Gewerkschaft sein, sich eben genau um diese Arbeitnehmer zu kümmern, die finanziell nicht so gut aufgestellt sind? Das gleiche wünsche ich mir auch bei den Renten. Jemand der nur knapp 1000 € Rente bekommt, hat von einer Rentenerhöhung oft gar nichts, weil diese mit Wohngeld oder Grundsicherung aufgestockt werden muss und die Erhöhung dann nur den Anspruch mindert.
Dieses Problem ist seit Jahrzehnten Thema im Vorfeld von und bei Tarifverhandlungen. Tarifabschlüsse erfolgen oft mit einem Mindestbetrag plus prozentualer Erhöhung, wobei der Sockelbetrag bei den unteren Lohngruppen prozentual über dem Gesamtabschluss liegt. Damit wird einem Auseinanderdriften der Einkommensgruppen entgegengewirkt.
=> https://www.igmetall.de/tarif/tariflexikon/soziale-komponente?gid=3ff70f81-8db2-4094-8c16-2ae48f4e6082
Das Gegeneinanderstellen verschiedener Gruppen von Beschäftigten betreibt einzig und allein das Geschäft der Arbeitgeber.
Tarifbindung ist der Schlüssel.
Tarifverträge werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden abgeschlossen. Sie gelten für alle Arbeitnehmer in der betreffenden Branche und Region, unabhängig von Religion, Geschlecht, Haar- und Hautfarbe.
In Bereichen der Wirtschaft ohne Tarifbindung gilt indes Zufall, Willkür und Beliebigkeit. Gute und faire Bezahlung ist hier rar.
Eine Gewerkschaft ist keine Dienstleistungsfirma wie der ADAC, sondern eine Mitgliederorganisation, die so stark ist wie das Engagement ihrer Mitglieder.
Dass gute Einkommen alles Mögliche gefährden und die Inflation anheizen, ist das ausgeleierte Märchen derjenigen, die von schlechter Bezahlung profitieren.
Gute Einkommen sind die Basis unserer Sozialversicherungen und auch des Steuersystems. Der Kollege Roboter trägt schließlich nichts dazu bei. Abhängig Beschäftigte sind zudem selten auf Steuerflucht.
Das Gewerkschaftsbashing entspricht natürlich dem Zeitgeist.
Vier Jahrzehnte neoliberaler Gehirnwäsche hinterlassen in jeder Gesellschaft ihre Spuren.
#Nisa
„… nur die Art der Durchsetzung sollte überdacht werden.“
Was wären denn andere Möglichkeiten, in einem Tarifkonflikt zu einer Einigung zu kommen?
Würfeln? Lose ziehen? Ching-Chang-Chong spielen? Ring- oder Boxkämpfe? Bittgottesdienste?
Das Streikrecht ist das zentrale Mittel einer Arbeitnehmerorganisation. Es ist verfassungsrechtlich verankert.
=> https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-ohne-streik-ware-es-kollektives-betteln-61395.htm
Gefühlt finden die Streiks im ÖPNV halbjährlich statt. Das ist deutlich zu viel für meinen Geschmack.
Bestimmt ginge es auch ohne, aber dann hätte verdi keine Werbung.
Die Tariflandschaft für Beschäftigte im ÖPNV ist komplex.
Zu unterscheiden ist zwischen
– verschiedenen Arbeitgebern (Kommunale oder private Unternehmen)
und zwischen
– Lohn-/Gehaltstarifvertrag oder Manteltarifvertrag (Arbeitsbedingungen).
Hinzu kommt die regionale Gültigkeit.
=> https://www.kommunalforum.de/tv_n.php
In Hannover z.B. arbeiten Fahrer bei der Üstra oder bei regiobus zu verschiedenen Bedingungen. Deshalb fahren bei Streikaktionen bei der Üstra meistens die Busse von regiobus oder – wie aktuell – umgekehrt.
Tarifverträge sind ein Segen für alle Beschäftigten. Die Alternative ist die Rechtlosigkeit des Vereinzelten.
Der Vereinzelte würde ja nun nicht dadurch rechtlos, dass der ein oder andere Warnstreik entfällt.
Die Dosis machts, und hier ist meine Diagnose, dass verdi übertreibt, um dadurch einen Werbeeffekt zu erzielen.
Kann man gut finden, muss man aber nicht.