Hannover droht eine akute Lametta-Überdosis

Ach was LoriotBereits beim Betreten der Ausstellung sollten Besucher darauf vorbereitet sein, dass plötzlich jemand ein Ei nicht nur kocht, sondern es mit Gefühl kocht. Andere werden möglicherweise den unkontrollierbaren Drang verspüren, eine Nudel auf den Tisch zu legen und sie als gesellschaftliches Problem zu diskutieren.

Die Ausstellung widmet sich dem Werk von Loriot (französisches Wort für den Pirol) alias Vicco von Bülow, jenem Mann, der Generationen von Deutschen beigebracht hat, dass der wahre Abgrund nicht in der Politik oder Wirtschaft lauert, sondern beim gemeinsamen Fernsehen auf dem Sofa. Gezeigt werden bekannte und seltene Zeichnungen, Objekte, Fotos, Plakate sowie Filmausschnitte aus seinem umfangreichen Schaffen.

Alle kennen Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow

Die Kuratoren haben offenbar beschlossen, die Besucher durch eine Welt zu führen, in der Enten draußen bleiben müssen, Zimmer grundsätzlich eines zu wenig vorhanden ist und Ehepaare wegen absoluter Nichtigkeiten bis an den Rand des gesellschaftlichen Zusammenbruchs diskutieren. Kurz gesagt: eine realistische Darstellung Deutschlands.

Besonders bemerkenswert ist, dass Loriots Humor immer noch erstaunlich aktuell ist. Man kennt die Zitate „Erst willst du spazierengehen, dann wieder nicht…“ oder die der armen Politesse mit „Wenn die rote Kontrollscheibe im Sichtfenster sichtbar wird, ist die Parkzeit überschritten“ außerdem „Mein Name ist Lohse, ich kaufe hier ein!“, „Mein Sohn ist 16. Er sitzt und spricht.“, „’Du dodl di! Dö dudl dö!‘ ist zweites Futur bei Sonnenaufgang.“, „Ich bin glücklich, wenn Du glücklich bist“ (Papa ante portas“) und viele mehr. So ziemlich alle Zitate wurden mittlerweile in den deutschen Sprachschatz übernommen, die Steinlaus (Petrophaga lorioti) hat es 1983 sogar bis ins medizinische Wörterbuch Pschyrembel geschafft.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Caricatura Museum Frankfurt und versammelt bekannte wie unbekannte Facetten des großen Humorrevolutionärs. Wer die Ausstellung besucht, sollte ausreichend Zeit mitbringen. Nicht, weil die Schau besonders groß wäre, sondern weil man regelmäßig vor Zeichnungen stehen bleibt und denkt: „Das kenne ich doch irgendwoher.“ Meist stellt sich heraus: aus der eigenen Familie.

Bis zum 14. März 2027 können Besucher im Georgengarten auf humoristische Spurensuche gehen. Und falls jemand fragt, ob sich der Besuch lohnt, gibt es nur eine angemessene Antwort:

Ach was. Natürlich.

„Ach was. 103 Jahre Loriot“ läuft vom 2. Juli 2026 bis 14. März 2027 im Museum Wilhelm Busch im Georgengarten in Hannover. Donnerstags gelten verlängerte Öffnungszeiten bis 20 Uhr. Mehr Lametta ist derzeit nicht geplant.

Bildnachweis: Wilhelm Busch Museum

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