VPN: Was ein virtuelles privates Netzwerk bringt – und wo seine Grenzen liegen

VPN erklärtOb im heimischen WLAN, unterwegs im Hotel oder beim Arbeiten im Café: Ein großer Teil des Alltags spielt sich inzwischen online ab. Dabei werden konstant Daten zwischen Smartphone, Computer oder Tablet und Servern im Internet übertragen. Wer diese Verbindungen zusätzlich absichern oder seine öffentliche IP-Adresse verbergen möchte, stößt schnell auf sogenannte VPN‑Dienste. Doch ein VPN ist weder ein vollständiger Schutz vor Gefahren im Internet noch macht es seine Nutzer automatisch anonym.

Die Abkürzung VPN steht für „Virtual Private Network“, auf Deutsch „virtuelles privates Netzwerk“. Vereinfacht gesagt baut die Software einen verschlüsselten Tunnel zwischen dem eigenen Gerät und einem VPN-Server auf. Internetanfragen werden zunächst zu diesem Server übertragen und erst von dort an die eigentliche Internetseite oder den gewünschten Dienst weitergeleitet. Für den Betreiber einer besuchten Webseite ist deshalb in der Regel nicht mehr die öffentliche IP-Adresse des eigenen Internetanschlusses sichtbar, sondern die des verwendeten VPN-Servers.

Interessant wird das insbesondere dann, wenn ein Server in einem bestimmten Land genutzt werden soll. Wer etwa VPN USA auswählt, stellt die Verbindung über einen Server in den Vereinigten Staaten her. Gegenüber aufgerufenen Internetdiensten erscheint dann üblicherweise die IP-Adresse dieses US‑Servers. Das kann beispielsweise beim Zugriff auf regional unterschiedliche Internetangebote eine Rolle spielen. Allerdings erkennen einige Plattformen bekannte VPN-Server und können deren Nutzung einschränken oder blockieren.

Wie funktioniert ein VPN?

Ohne VPN nimmt ein Gerät normalerweise über den jeweiligen Internetanbieter Kontakt mit einem Server auf. Der Provider weist dem Anschluss beziehungsweise der Verbindung eine öffentliche IP-Adresse zu. Diese IP-Adresse wird beim Aufruf einer Webseite technisch benötigt und kann unter anderem Rückschlüsse auf den verwendeten Internetanbieter und eine ungefähre geografische Region ermöglichen.

Bei einem VPN wird ein zusätzlicher Vermittler dazwischengeschaltet. Die VPN-Software verschlüsselt den Datenverkehr auf dem Gerät und überträgt ihn zum ausgewählten VPN‑Server. Dort werden die Anfragen entschlüsselt und an das eigentliche Ziel weitergeleitet. Antworten nehmen den umgekehrten Weg. Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Daten im Internet ausschließlich durch das VPN geschützt werden. Zwischen VPN-Server und Zielserver spielt weiterhin die Verschlüsselung des jeweiligen Internetdienstes eine wichtige Rolle. Bei Webseiten ist deshalb HTTPS von Bedeutung. Moderne Browser kennzeichnen unverschlüsselte HTTP-Verbindungen inzwischen deutlich beziehungsweise behandeln sie zunehmend als unsicher.

Für Nutzer entsteht damit eine zusätzliche Schutzschicht zwischen dem eigenen Gerät und dem VPN‑Anbieter. Gleichzeitig verschiebt sich jedoch auch das Vertrauen: Statt ausschließlich dem Internetprovider wird nun zusätzlich beziehungsweise teilweise dem Betreiber des VPN-Dienstes vertraut.

Bereich Ohne VPN Mit VPN
Öffentliche IP-Adresse IP-Adresse des eigenen Internetanschlusses ist sichtbar IP-Adresse des VPN-Servers ist sichtbar
Datenübertragung Direkte Verbindung über den Internetanbieter Verschlüsselter Tunnel bis zum VPN-Server
Standort Ungefähre Region über die IP-Adresse erkennbar Standort des gewählten VPN-Servers erscheint als Ausgangspunkt
Öffentliches WLAN Keine zusätzliche VPN-Verschlüsselung Zusätzlicher Schutz des Datenverkehrs bis zum VPN-Server
Geschwindigkeit Direkte Verbindung Je nach Server und Entfernung etwas langsamer möglich
Anonymität Eigene öffentliche IP-Adresse sichtbar Eigene IP-Adresse verborgen, aber keine vollständige Anonymität
Geoblocking Zugriff entsprechend dem tatsächlichen Standort Anderer virtueller Standort möglich, aber nicht garantiert
Schutz vor Schadsoftware Kein Schutz durch die Verbindung selbst VPN allein schützt ebenfalls nicht vor Schadsoftware oder Phishing

Öffentliche WLAN-Netze als klassischer Einsatzbereich

Besonders häufig werden VPN-Verbindungen für öffentliche WLAN-Netze empfohlen. Kostenlose Hotspots gibt es mittlerweile in Hotels, Restaurants, Bahnhöfen, Flughäfen und vielen öffentlichen Einrichtungen. Dabei ist für Nutzer nicht immer ohne Weiteres erkennbar, wer ein Netzwerk tatsächlich betreibt und wie es technisch abgesichert ist. Ein VPN verschlüsselt die Verbindung zwischen dem Endgerät und dem VPN‑Server. Dadurch wird es für andere Teilnehmer desselben lokalen Netzes erheblich schwieriger, den übertragenen Datenverkehr auszuwerten. Allerdings hat sich die Sicherheitslage im Internet gegenüber früher verändert. Ein enormer Teil des Webverkehrs wird heute bereits über HTTPS verschlüsselt übertragen. Ein VPN bleibt deshalb eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme, ersetzt aber weder die Verschlüsselung der besuchten Dienste noch grundlegende Sicherheitsregeln.

Eine andere IP-Adresse – aber keine vollständige Anonymität

Eines der wichtigsten Merkmale eines VPN ist die veränderte öffentliche IP‑Adresse. Webseiten sehen normalerweise die Adresse des VPN‑Servers. Damit lässt sich die eigene IP-Adresse gegenüber den besuchten Angeboten verbergen. Mit vollständiger Anonymität sollte das jedoch nicht verwechselt werden. Internetseiten und Werbenetzwerke verfügen über zahlreiche weitere Möglichkeiten, Nutzer wiederzuerkennen. Dazu gehören Cookies, eingeloggte Benutzerkonten oder technische Merkmale des Browsers und des Gerätes. Dieses sogenannte Fingerprinting kann verschiedene Informationen kombinieren und daraus ein vergleichsweise charakteristisches Profil erstellen. Wer sich beispielsweise über ein VPN mit seinem persönlichen Google-, Facebook- oder Amazon-Konto anmeldet, wird durch die andere IP-Adresse gegenüber diesem Anbieter selbstverständlich nicht plötzlich anonym. Das Benutzerkonto ermöglicht weiterhin eine eindeutige Zuordnung.

Standort über VPN ändern

Viele kommerzielle VPN-Anbieter betreiben Server in zahlreichen Ländern. Nutzer können deshalb häufig auswählen, über welches Land ihre Internetverbindung geleitet werden soll. Ein Server in Frankreich erhält eine französische IP-Adresse, ein Server in den USA entsprechend eine amerikanische. Diese Funktion wird unter anderem genutzt, um auf Angebote zuzugreifen, die abhängig vom Standort unterschiedliche Inhalte bereitstellen. Besonders bekannt ist das sogenannte Geoblocking bei Streamingdiensten.

Dabei gibt es jedoch keine Garantie, dass ein VPN den gewünschten Zugriff ermöglicht. Streamingplattformen und andere Anbieter können IP-Adressen von Rechenzentren und bekannten VPN-Diensten erkennen und sperren. Zudem können die Nutzungsbedingungen eines Dienstes Einschränkungen für die Umgehung regionaler Zugangsbeschränkungen enthalten.

VPN kann die Internetverbindung bremsen

Da der Datenverkehr einen zusätzlichen Weg über den VPN-Server nimmt und ver- beziehungsweise entschlüsselt werden muss, kann die Geschwindigkeit der Internetverbindung sinken. Wie deutlich der Unterschied ausfällt, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind unter anderem die Entfernung zum VPN-Server, dessen aktuelle Auslastung, die Leistungsfähigkeit des Anbieters und das verwendete VPN‑Protokoll. Wer aus Deutschland einen Server in den Niederlanden verwendet, wird häufig eine geringere zusätzliche Verzögerung feststellen als bei einer Verbindung über einen Server an der US-Westküste oder in Asien. Bei einem leistungsfähigen VPN und einem nahegelegenen Server kann der Geschwindigkeitsverlust im normalen Alltag kaum auffallen. Bei großen Downloads, Online-Spielen, Videokonferenzen oder hochauflösendem Streaming können zusätzliche Latenzen und eine geringere Datenrate dagegen relevant werden. Der Mozilla-Support erläutert die dazugehörigen Gründe.

Kostenlose VPN-Dienste genau prüfen

VPN-Angebote gibt es sowohl kostenlos als auch gegen eine monatliche oder jährliche Gebühr. Gerade bei kostenlosen Diensten lohnt sich ein genauer Blick auf das Geschäftsmodell. Schließlich verursacht der Betrieb einer weltweiten Serverinfrastruktur erhebliche Kosten. Ein kostenloses Angebot muss nicht zwangsläufig unseriös sein. Häufig finanzieren Anbieter solche Tarife als eingeschränkte Version eines kostenpflichtigen Dienstes. Möglich sind etwa Limits beim Datenvolumen, eine reduzierte Serverauswahl oder niedrigere Geschwindigkeiten. Problematischer wird es, wenn unklar bleibt, wie sich ein Anbieter finanziert und welche Daten über die Nutzer gespeichert oder verarbeitet werden. Gerade weil der VPN-Betreiber eine zentrale Position im Datenverkehr einnimmt, sollte die Auswahl nicht allein anhand eines möglichst niedrigen Preises erfolgen.

Worauf bei einem VPN-Anbieter zu achten ist

Vor der Entscheidung für einen Dienst sollte zunächst geklärt werden, wofür das VPN überhaupt benötigt wird. Wer lediglich gelegentlich im öffentlichen WLAN surft, hat andere Anforderungen als jemand, der täglich große Datenmengen über eine VPN-Verbindung überträgt. Relevant sind unter anderem transparente Datenschutzbestimmungen, der Unternehmenssitz, die eingesetzten VPN-Protokolle und der Umgang mit Verbindungsdaten. Viele Anbieter werben mit einer „No-Logs“-Politik. Der Begriff allein sagt allerdings wenig aus. Entscheidend ist, welche Informationen tatsächlich nicht gespeichert werden und ob entsprechende Aussagen beispielsweise durch unabhängige Prüfungen nachvollziehbar gemacht wurden. Auch Funktionen wie ein sogenannter Kill Switch können sinnvoll sein. Dieser unterbricht die Internetverbindung, wenn die VPN-Verbindung unerwartet abbricht. Dadurch soll verhindert werden, dass der Datenverkehr anschließend unbemerkt wieder direkt über den normalen Internetanschluss läuft.

VPN ist kein Ersatz für Virenschutz und sichere Passwörter

Missverständlich ist vor allem die Vorstellung, ein aktives VPN mache einen Computer oder ein Smartphone grundsätzlich sicher. Gegen viele typische Gefahren hilft ein VPN überhaupt nicht. Wer eine mit Schadsoftware präparierte Datei herunterlädt, auf eine Phishing-Mail hereinfällt oder Zugangsdaten auf einer gefälschten Webseite eingibt, wird durch den VPN-Tunnel nicht automatisch geschützt. Auch Sicherheitslücken in Betriebssystemen und Programmen bleiben bestehen. Entsprechend wichtig sind weiterhin regelmäßige Updates, sichere und möglichst einmalige Passwörter sowie eine Zwei-Faktor-Authentifizierung bei wichtigen Benutzerkonten. Ein VPN ist damit ein einzelner Bestandteil eines umfassenderen Sicherheitskonzepts und keine Universallösung.

Auch Smartphones können VPN nutzen

VPN-Dienste sind längst nicht mehr auf klassische Computer beschränkt. Die meisten kommerziellen Anbieter stellen Apps für Android und iOS bereit. Teilweise lassen sich VPN-Verbindungen außerdem direkt über die Funktionen des Betriebssystems konfigurieren. Das kann gerade unterwegs sinnvoll sein, weil Smartphones regelmäßig zwischen Mobilfunknetzen und verschiedenen WLAN-Zugängen wechseln. Je nach Anwendung lässt sich das VPN automatisch aktivieren oder dauerhaft verwenden.

Einige Anbieter ermöglichen obendrein die Einrichtung auf einem Router. In diesem Fall können mehrere Geräte eines Haushalts über die VPN-Verbindung geleitet werden, ohne dass auf jedem Gerät eine eigene App installiert sein muss. Die Konfiguration ist allerdings anspruchsvoller und nicht jeder Router unterstützt die dafür erforderlichen Funktionen.

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