Kunstprojekt Busstopp Nieschlagstraße

Kunstprojekt Busstopp Nieschlagstraße
Wer an der Bus- und Stadtbahnhaltestelle Nieschlagstraße in Linden-Mitte (Standort Fußgängerzone Davenstedter Straße) auf Bus oder Bahn wartet, erlebt mehr als nur den Alltag des Nahverkehrs. Denn hier wird das Warten selbst zum Kunstprojekt: Zwei unscheinbare Wartehäuschen verwandeln sich in akustische Bühnen. Dank raffinierter Schallübertragung durch vier metallene Lauschkalotten tragen sie Gespräche, Gesang oder Geflüstertes über bis zu 40 Meter – glasklar und ohne technische Hilfsmittel.

Entstanden ist dieses besondere Experiment zwischen 1990 und 1994 im Rahmen von „Kunst im öffentlichen Raum“. Der Kölner Design-Professor Wolfgang Laubersheimer schuf eine Haltestelle, die nicht nur Wetterschutz und Fahrplaninformationen bietet, sondern auch eine überraschende Kommunikationsidee: Fremde hören sich plötzlich zu – oder lächeln sich schweigend an. Damit entstand eine ganz besondere Sehenswürdigkeit.

Optisch erinnern diese Sehenswürdigkeiten der beiden Wartehäuschen an überdimensionale Lautsprechermembranen, die einander gegenüberstehen. Akustisch machen sie aus Alltäglichem – einem Telefongespräch, einem Summen oder einer zufälligen Bemerkung – eine öffentliche Aufführung.

So wird die Haltestelle Nieschlagstraße, an der die Ringbusse der Linien 100/200 und die Stadtbahnlinie 9 verkehren, zu einem Ort, an dem Kunst, Technik und Alltag verschmelzen – und das Warten zum Erlebnis wird.

Bildnachweis: Ralf Borchardt