Kriegsdenkmal: Der Hochbunker am Deisterplatz

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Mitten im Verkehrskreisel am Deisterplatz im hannoverschen Stadtteil Linden-Süd steht mit dem Hochbunker Deisterplatz 12 ein stummer Zeuge des Zweiten Weltkriegs. Errichtet im Jahr 1941, war er der erste von insgesamt rund 50 Luftschutzbunkern, die während dieses Krieges in Hannover erbaut wurden. Das markante Bauwerk steht heute als Einzeldenkmal unter Schutz – nicht nur wegen seines historischen Werts, sondern auch, weil es innen wie außen nahezu unverändert erhalten geblieben ist.

Der sogenannte „Bunker Nr. 8“ wurde nach Plänen der Firma Huta (Hoch- und Tiefbau AG Hannover) konzipiert und sollte im Ernstfall bis zu 698 Menschen Schutz bieten. Die Lage war bewusst gewählt: In unmittelbarer Nähe zur Hanomag, einem der bedeutendsten Industriebetriebe Hannovers zur damaligen Zeit, war mit einer hohen Anzahl an Schutzsuchenden zu rechnen. In Sichtweite des Bunkers liegt auch der Von-Alten-Garten, dessen Grenze zur Bauzeit bis zum Gebäude reichte.

Der Rundbunker mit Kegeldach misst 14,16 Meter im Durchmesser, ist 32,55 Meter hoch und bietet im Ernstfall Platz für bis zu 698 Menschen. Seine Außenwände sind zwischen 1,80 und 2,50 Meter dick und somit ausreichend, um selbst einem direkten Bombentreffer standzuhalten. Durch die Wandstärke besteht im Inneren des Bunkers kein Mobilfunkempfang, was damals noch kein Thema war. Der Innenraum verteilt sich auf acht Ebenen, wobei sechs Etagen durch eine spezielle, höhenversetzte Anordnung der Aufenthaltsräume gebildet werden. Aufgrund dieser Besonderheit weist der Bunker architektonisch eigentlich keine klassischen Etagen auf.

Zwei gegenüberliegende, ebenerdige Eingänge führen in das Innere des Bunkers, von wo aus je eine spiralförmige Wendeltreppe bis unter das Dach führt. Im Erdgeschoss befand sich ein Raum für den Bunkerwart – funktional, aber nicht größer als die übrigen Schutzräume. Unter dem Dach liegt der Maschinenraum mit der Lüftungsanlage. Dazwischen sind in einem ringförmigen Aufbau die Schutzräume angeordnet – je etwa sechs Quadratmeter groß, mit 2,70 Meter Deckenhöhe. Sechs dieser Räume bilden eine Etage, wobei zwei der mittig gelegenen Räume über einen 5–6 Meter langen Gang verbunden sind, in dessen Nähe sich auch kleine Sanitärräume mit je einer Toilette und einem Waschbecken befinden.

Auch die technische Infrastruktur war durchdacht: Der Bunker verfügt über einen Stromanschluss sowie Frischwasser- und Abwasserleitungen, deren Zuleitungen sich im niedrigen Keller befinden. Eine Möglichkeit zur Beheizung des Bunkers gab es damals nicht, und eine solche wurde später auch nicht nachgerüstet. Die Menschen mussten sich seinerzeit darauf einrichten, nur wenige Stunden im Bunker zu verbringen, bis ein Angriff vorüber war. Wenn viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, ist eine ausreichende Belüftung aufgrund der natürlichen Wärmeabgabe der Menschen von größerer Bedeutung. Dafür gab es eine Lüftungsanlage, die heute jedoch nicht mehr funktionsfähig ist.

Heute stellt sich die Frage nach einer neuen Nutzung. Doch diese gestaltet sich schwierig. Eine dauerhafte Umnutzung würde erhebliche Eingriffe in die historische Bausubstanz erfordern, die nicht nur denkmalrechtlich bedenklich, sondern auch wirtschaftlich kaum tragbar wären. Zudem fehlt es dem Bunker aufgrund seiner Insellage im Deisterkreisel an einer geeigneten Erschließung. Für einen kurzen Zeitraum wurde der Bunker in der Vergangenheit als SM-Studio genutzt.

Er steht damit exemplarisch für ein Bauwerk, das seiner Zeit diente, aber in der Gegenwart nur schwer einzuordnen ist. Während im Zweiten Weltkrieg durch lange Vorwarnzeiten noch genug Zeit blieb, um Schutzräume aufzusuchen, sind heutige Bedrohungsszenarien, die von präzisionsgelenkter Munition und kurzer Reaktionszeit geprägt sind, grundlegend anders. Vor einer modernen Nutzung müsste deshalb geklärt werden, welche Schutzfunktion ein solcher Bunker heute überhaupt noch erfüllen kann.

Der Bunker am Deisterplatz ist allein schon von außen ein besonderes Denkmal im Stadtbezirk Linden-Limmer. Er steht für Besichtigungen im Regelfall nicht zur Verfügung. Interessierten steht jedoch der Museumsbunker Hannover in Ricklingen, in der Torstenssonstraße, zur Verfügung, wo regelmäßig Führungen angeboten werden.
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Text: Stefan Ebers

Bildnachweis: Martin Tönnies