Copyright Foto Melanie Rochow, Magda Jarzabek
MITSAMT – Malerei von Magda Jarzabek im Küchengartenpavillon
Die Malerei von Magda Jarzabek ist immer schon mit dem Einhergehen eines Experiments verbunden gewesen. Das macht sie so interessant. Einerseits will Magda Jarzabek Gegenständlichkeiten zeigen und verfremdet sie dann, indem sie es mit einem Strichraster überdruckt. Andererseits entwickelt sie Systeme von Strichen und Flächen, füllt Zwischenräume akribisch aus und überlagert sie mit neuen Strukturen oder klebt Materialien wie Samtstoffe auf. Hierbei wirkt sie nahe dem weiten Gebiet der informellen oder der konkreten Kunst.
Quartier e.V. eröffnet am 4. Oktober um 14 Uhr die Ausstellung „MITSAMT“ von Magda Jarzabek im Küchengartenpavillon und lädt dazu ein. Andreas Ullrich führt in die Ausstellung ein.
Magda Jarzabek hat eine eigenwillige Ader, Strukturen zu erstellen und sie mit neuen Systemen zu konfrontieren. Sie beschäftigt sich mit Momentaufnahmen von räumlichen Situationen und lässt sich so inspirieren. In ihrer seriellen Ausfertigung ist sie festgelegt auf Malen, Collagieren und Drucken. Dabei ist Ölfarbe neben Aquarell eine Mischung, die gezielt Spannungen erzeugen soll. Gelegentlich wird auch geklebt oder angetrockneter Kleber überdruckt. Ihre erarbeiteten Techniken weisen auf systematisches Forschen hin. Sie überzeugen in der Ausführung bis ins Detail und spielen mit der Wahrnehmung des Betrachters.
Farblich bewegt sich Magda Jarzabek in einem eher monochromen Spektrum, das schon bei der Auswahl des Papiers festgelegt wird. Die Abstufungen ihrer Farben sind treffsicher der Farbumgebung angepasst. Gelegentlich gibt es noch die komplementäre Ergänzung, um das Bild lebhafter aussehen zu lassen.
Diese Manöver folgen immer einem Konzept: Erst durch das Überdrucken erhalten ihre sogenannten Raumporträts den Forschungscharakter. Vorbereitete Gummiklischees werden in Stempelmanier flächendeckend auf die Malerei gesetzt. In unserer Wahrnehmung sehen wir jetzt die Bilder durch eine Glasscheibe, die mit dieser Struktur behaftet ist. Das feine Liniennetz gleicht dem Rauschen, dass von Röhrenfernsehgeräten der 60er Jahre her bekannt ist, wenn das Bild in seiner minderen Qualität über den Bildschirm flimmerte.
Das Unikat bekommt in seiner Machart einen Charakter, der auf Gründlichkeit schließen lässt, aber im Detail auch Fehler zulassen darf. Die Unzuverlässigkeit eines jeden Druckvorganges verbirgt so viele interessante Varianten, die dem Bild eine Steigerung in seiner Komplexität ermöglicht.
Für die Ausstellung im Küchengartenpavillon haben wir einen Querschnitt vieler Arbeiten von Magda Jarzabek ausgewählt, was keine leichte Entscheidung war.
Magda Jarzabek ist in Warschau geboren und hat dort ein Architekturstudium an der Technischen Universität Warschau absolviert. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Schottland folgte ein Studium der freien Kunst an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover bei Prof. Ulrich Baehr. Sie hat den Abschluss der Meisterschülerin.
Das Gespräch mit der Künstlerin findet am 1. November 2026 um 16 Uhr statt. Die Ausstellung ist bis zum 29. November 2026 im Küchengartenpavillon zu sehen. Die Öffnungszeiten sind dienstags, freitags und sonntags von 15 – 17 Uhr. Wir freuen uns auf ihren Besuch.
Ulrich Barth
Hannover, den 9. September 2026
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