100 Jahre Kleingärtnerverein Linden – so hat alles begonnen

Ernst-Winter-HeimEin besonderes Jubiläum steht in Kürze in Linden an. Vor 100 Jahren, am 19. September 1919 gründete Ernst Winter mit etwa 150 Gleichgesinnten den heutigen Kleingärtnerverein Linden e. V. Das nehmen wir zum Anlass, etwas in die Geschichte der damaligen Zeit zurückzublicken.

Der Erste Weltkrieg wütete zwischen 1914 bis 1918 in Europa und brachte auch in die damalige Arbeiterstadt Linden eine große Armut. Aus Überlieferungen ist bekannt, dass zu Beginn des Weltkrieges die durchschnittliche Arbeitszeit zum Beispiel im Metallgewerbe 57 Wochenstunden inklusive der Samstagsarbeit betrug. Die verbleibende Freizeit verbrachten die Arbeiter oftmals in den damals zahlreichen Lindener Kneipen und brachten dort große Teile des damals noch bar ausgezahlten Lohns unter die Leute. Dieses führte dazu, dass die Ehefrauen ihre Männer vor den Werkstoren oder vor der Kneipe abfingen, um den Lohn für die Familie von den Männern einzukassieren.

Zu der Zeit gab es um den Lindener Berg herum so manchen Großbetrieb, wie die Hanomag und auch die Kalksteinbrüchen, auf deren Fläche seit 1929 das Lindener Stadion von Linden 07 steht.

Gründe für die Gründung des Kleingartenvereins Linden

Die Armut und die falsche Freizeitbeschäftigungen der Männer waren der Anlass, die Schrebergartenidee auch in Linden großflächig aufzugreifen. Ernst Winter (1888-1954), ein deutscher Politiker und Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) gründete am 19. September 1919 mit etwa 150 Gleichgesinnten den heutigen Kleingärtnerverein Linden e. V. Erste Kleingärten bestanden an dieser Stelle bereits seit dem Jahr 1909.

Die ersten Schrebergärten entstanden in der damaligen Nachbarstadt von Linden in Hannover um die Jahrhundertwende. Die Idee entstammt von dem Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808-1861), dem Namensgeber der Schrebergärten. Sogenannte Parzellen wurden umzäunt und als Gärten eingerichtet. Eine Gartenlaube baute in der Regel der Pächter, zu dieser Zeit diente diese als Unterstand bei Regen und als Geräteschuppen.

Die ersten Mitglieder des am Nordhang des Lindener Berges gegründeten Kleingärtnervereines waren überwiegend Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich sinnvoll und gesund beschäftigen wollten. Die eigenen Wohnungen waren zumeist recht klein, außerdem stand auch die Selbstversorgung durch den Anbau von Obst und Gemüse im Mittelpunkt der Idee. In einigen Städten wurden damals Kleingärten auch als Armengärten bezeichnet.

Zur gleichen Zeit im Jahr 1919 musste der Botanische Schulgarten, damals ansässig an der Göttinger Chaussee und zugehörig zu Linden, einer Erweiterung der Hanomag weichen. Daher wurde dieser zum Lindener Berg in die Straße Am Lindener Berge umgezogen. Sein neuer und heute immer noch bestehender Standort ist schräg gegenüber dem damals erbauten Ernst-Winter-Heim, dem zentralen Vereinsheim des Kleingärtnervereins Linden.

Der Verein heute

Heute umfasst der Verein etwa 600 Schrebergärten auf einer Fläche von knapp 30 Hektar und gehört zum Stadtteil Linden-Süd. Teil des Vereins sind 8 Kleingartenkolonien:

  • Lindener Alpen
  • Bergfrieden
  • Schwarze Flage
  • Lindener Eisen und Stahl
  • Ihlpohl I
  • Ihlpohl II
  • Langenfelde
  • Struckmeyers Erben

Jubiläumsfeier 100 Jahre Kleingärtnerverein Linden

Die Jubiläumsfeier findet am Samstag, 26. Oktober 2019 ab 14 Uhr im Biergarten Lindener Turm statt.

Bildnachweis: Achim Brandau

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