Wasserfest an der Ihme

Heinz Ratz will durch seine Schwimm-Demonstrationen auf die extreme Verarmung unserer Landschaft hinweisen. Besonders deutlich ist das an unseren Flüssen und Bächen zusehen, die durch Verbauung ihrer Ufern und Auen in Korsette gezwungen wurden. Die Auen beiderseits unserer Flüsse könnten die artenreichsten Lebensräume in unserer Landschaft überhaupt sein. Sie wurden von den Flüssen abgeschnitten und für Bebauung,Verkehrswege und intensive Landwirtschaft freigegeben. Den Flüssen wurde dadurch nicht nur ein großer Teil ihrer Selbstreinigungskraft genommen, auch kam es so erst zu der heutigen Hochwasserproblematik, denn das Wasser hat keinen Platz mehr.Vielen selten gewordenen Pflanzen & Tieren fehlt nun dieser einmalige Lebensraum und den Menschen oftmals der Zugang zu den Flüssen, die vielfach tief eingeschnitten in der Landschaft -begradigt eintönig – oft ohne Schatten spendende Bäume – dahin fließen.

Heinz Ratz erinnert die Hannoveraner mit seiner Aktion auch an einen sonnigen, trockenen Sommer vor drei Jahren, bei dem sie in der Leine badeten. Diese paradiesischen Zustände wiederholten sich in den folgenden Jahren nicht mehr, denn nach den starken sommerlichen Regengüssen ließ dies die hygienische Qualität des Wassers nicht mehr zu und die Landeshauptstadt Hannover verweigerte die Einrichtung einer offiziellen Badestelle wegen hoher Bakterienzahlen. Ist der Regen aus den Wolken derart verunreinigt? Die Ursache liegt vielmehr in den Abschwemmungen aus anliegenden städtischen Verkehrsflächen,überlaufenden Kanalisationen, nicht nur in Hannover, sondern auch aus Gegendenoberhalb, durch die Leine, Ihme und deren Nebenflüsse sich ihren Wegbahnen. Da oft im ländlichen Raum bis zur Uferböschung geackert wird und Dünger und Pestizide in die Flüsse geschwemmt werden und in den Gemeinden und Städten Straßenabwässer mit Belastungen aus dem Verkehr und Hundekot oft direkt ohne Vorreinigung eingeleitet werden, muss hier zuerst sich was ändern.

Neueste Untersuchungen der niedersächsischen Wasserbehörden dokumentieren, dass der vom Gesetz geforderte gute ökologische Zustand nur von weniger als 10Prozent der Fließgewässer bis zum Jahre 2015 erreicht wird. D.h. nur in weniger als einem von 10niedersächsischen Flüssen werden sich in den nächsten 5 Jahren die Pflanzen u. Tiere wieder ansiedeln können, die dort natürlicherweise eigentlich vorkommen müssten.

Dies ist ein Armutszeugnis für eine reiche Kulturnation. Der BUND fordert daher:

  • Keine Bauten in gesetzlichen Überschwemmungsgebieten – ggf. Rückbau
  • Mindestens 5 bis 10 m breite Gewässerrandstreifen an allen Fließgewässern entsprechend dem niedersächsischen Wassergesetz sowie Kontrolle, dass dies auch eingehalten wird.
  • Wanderhilfen für Fische und Fischotter entlang von Wehren und Staustufen, damit die Wassertiere wieder die Leine hoch wandern können.
  • Wasserrückhalt in der Fläche durch Auen-Renaturierung bzw. in städtischen Bereich durch Versickerungsflächen und Rückhaltebecken (ökologischer Hochwasserschutz)
  • Vorbehandlung von Straßenabwässer vor der Einleitung in die Flüsse – zumindest während der ersten 5 Minuten für den am stärksten belasteten Abfluss aus dem Straßenbereich.
  • Keine Einleitung von salzhaltigen Abwässern aus dem Kalibergbau in unsere Flüsse.
  • Schaffung von mehr Versickerungsmöglichkeiten für Regenwasser von den Dachflächen in der Region Hannover.

ViSdP: Gerd Wach, BUND- Kreisgruppe Region Hannover,Tel. 0511 – 660093 wassernetz@nds.bund.netHintergrundinformationen und Fotos zu Heinz Ratz und seinem Projekt: http://flussprojekt.de/

Lesebühne: „Literatur fällt ins Wasser“ – Texte zur Rettung der Welt

Vier hannoversche Autoren lesen Texte rund ums Wasser. Es geht um die Liebe zum feuchten Element, aber auch um die politischen Kämpfe darum. Ein Mal komischer, mal nachdenklicher Redefluss… Mit dabei, die Autoren: Henning Chadde, Christian Sölter, Jan Egge Sedelies, …!

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