Bücherei Linden – Doppelte Niederlage für Bildung und Integration

Bücherei Linden – Doppelte Niederlage für Bildung und Integration

Mutig wäre eine Entscheidung der Politik gewesen, ihre Forderungen und Versprechungen von mehr Bildung und Integration auch einzulösen. Also tatsächlich mehr in Bildung zu investieren, statt die Bücherei in Linden-Nord zu schließen. Hier wird Bildung erneut als Dispokreditmissbraucht.

Es geht hier nicht um „Wünsche“, wie im HAZ-Beitrag polemischsuggeriert wird. Es geht um Bildung, das war auch mal ein Ziel der Politik. Aber mit der Floskel „in Zeiten knapper Kassen“ wird Bildung dann schnell wieder auf finanzielle Passform gestutzt. Lippenbekenntnisse sind eben billiger.

Das ausgerechnet Frau Kastning, ehemalige Angehörige des Bezirksrates Linden-Limmer, in diesem Zusammenhang von Gleichbehandlung der Stadtbezirke spricht, ist schon sehr verwunderlich. Sie sollte eigentlich wissen, dass sie hier Äpfel mit Birnen vergleicht. Im Übrigen: Auch Gleichbehandlung ist genau wie Sparen, kein Selbstzweck.

Aber muss man jetzt auch noch das breite Engagement der Bürger als populistisch diffamieren? Welches Demokratieverständnis hat der Autor? Tatsächlich lag zusammen mit den Sparbeschlüssen von 2004 auch die Forderung der Grünen nach Bürgerbeteiligung auf dem Tisch, stößt die geplante Schließung schon seit damals auf breite Ablehnung. Der Widerstand ist älter als die Linke, sie hat ihn nur sichtbarer gemacht. Der Knüppel „Populismus“ kommt eben immer dann aus dem Sack, wenn die Argumente fehlen.

Der Zugang zu Bildung, zur Bücherei wird mit der Schließung in Linden-Nord für die Betroffenen (vor allem Limmer und Ahlem) durch die längeren Wege um einiges teurer und aufwändiger. Hier hätte der Rat zumindest einen kleinen Ausgleich schaffen müssen, in dem die Bücherei-Ausweise auch als Fahrausweise für die Üstra anerkannt werden.

Jörg Schimke
Bündnis 90/Die Grünen
Sprecher der Stadtteilgruppe

Keine Rettung für die Kinderbücherei – Beitrag in der HAZ am 15.10.2008
Doppeltes Signal – Kommentar in der HAZ am 15.10.2008

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